Wenn Casanovae noch leben würde…

Casanovae im heutigen Familienrecht

Giacoma/o Casanova/e – der Name steht für Liebesabenteuer, Affären und die Kunst, Herzen zu erobern. Doch was wäre, wenn der/die wohl berühmteste Verführer*in der Geschichte heute leben würde? Nicht im Venedig des 18. Jahrhunderts, sondern in einer deutschen Mittelstadt anno 2025? Würde Casanovae Tinder swipen, an Jugendamtsformularen verzweifeln oder in einer Co-Parenting-App ihre/seine Rendezvous organisieren?

Willkommen im Gedankenexperiment: Casanovae im heutigen Familienrecht.


Vom Don Juan zu/r Dauerkläger*in?

Casanovae liebte frei, ungebunden, leidenschaftlich. Im 21. Jahrhundert aber stünde sie/er nicht nur im Rampenlicht romantischer Abenteuer, sondern vor der nüchternen Kulisse des Familiengerichts. Affären wären keine Anekdoten mehr, sondern Aktenzeichen. Jeder Kuss könnte zu einer Sorgeerklärung führen, jede Liaison zu einem Unterhaltstitel.

Statt poetischer Briefe an Geliebte bekäme Casanovae Briefe vom Jugendamt:
„Sehr geehrte*r Casanovae, bitte reichen Sie die Gehaltsnachweise der letzten 12 Monate ein.“


Kinder, Kinder – die neue Realität

Mit vielen Liebschaften wäre Casanovae schnell Mehrfach-Elternteil. In früheren Jahrhunderten verschwanden uneheliche Kinder oft im Schatten der Gesellschaft. Heute hingegen stehen sie im Mittelpunkt: Kindeswohl ist das höchste Gut des Familienrechts.

Das bedeutet:
– Jeder Nachwuchs hat Anspruch auf Unterhalt.
– Eltern können Beistandschaften beantragen.
– Eltern müssen Verantwortung zeigen, egal wie kurz das Abenteuer war.

Für Casanovae hieße das: Statt Verführungsstrategien zu verfeinern, müsste sie/er Excel-Tabellen für Kita-Beiträge und Kinderkleidung führen. Die berühmte Energie ginge nicht in nächtliche Eskapaden, sondern in pünktliche Überweisungen.


Fake News im Liebesleben

Casanovaes Motto war: „Die Liebe ist ein Spiel, das keiner freiwillig beendet.“ Im modernen Familienrecht aber gilt: Liebe ist kein Spiel, sondern ein Vertrag mit Folgen.

Fake News Nummer 1: „Man kann einfach verschwinden.“
– Falsch. Unterhaltsvorschusskassen, internationale Vollstreckungsabkommen und Datenbanken sorgen dafür, dass kein Elternteil sich dauerhaft entzieht.

Fake News Nummer 2: „Liebe regelt sich von allein.“
– Schön wär’s. Heute braucht es Sorgeerklärungen, Umgangsvereinbarungen und oft Mediation, damit nicht alles im Chaos endet.


Casanovae und das Wechselmodell

Wie stünde Casanovae zum Wechselmodell, dem 50/50-Betreuungsmodell, das immer mehr Familien wählen? Wahrscheinlich fände sie/er es zunächst verlockend: Jede Woche ein neues Haus, neue Kontakte, ein neues Abenteuer. Doch schnell würde klar: Wechselmodell bedeutet nicht wechselnde Partner*innen, sondern verlässliche Elternschaft.

Für Kinder wäre entscheidend, dass Mama/Papa nicht nur verführt, sondern auch vorliest. Dass Charme nicht nur betört, sondern Frühstück macht. Im modernen Familienrecht zählt nicht Charisma, sondern Kontinuität.


Unterhalt statt Champagner

Casanovae liebte Luxus, Reisen, Feste. Heute würden die Finanzen durch das Familienrecht strenger geregelt sein. Unterhaltstabellen ersetzen Champagnerrechnungen. Statt Diamanten für eine Geliebte oder einen Geliebten stünden Turnschuhe fürs Kind auf dem Budgetplan.

Relevant: Unterhaltspflichten im deutschen Familienrecht sind komplex, oft streitanfällig. Casanovae würde schnell lernen: Wer zahlt, verliert nicht – sondern sorgt für Stabilität. Wer sich verweigert, verliert vor Gericht.


Mediation: Flirt oder Pflichttermin?

Man stelle sich Casanovae in einer Mediation vor. Auf der anderen Seite die Mutter oder der Vater eines Kindes, daneben eine Mediator*in mit Flipchart:
„Casanova, bitte bleiben Sie beim Thema. Es geht hier nicht um Ihre Augenfarbe, sondern um die Betreuungsregelung.“

Wo früher Charme half, zählt heute Sachlichkeit. Kommunikation im Familienrecht soll kurz, klar, kinderbezogen sein – nicht schwärmerisch. Für Casanovae ein Kulturschock, für die Gesellschaft ein Gewinn.


Neue Partner*innen, alte Probleme

Ein weiteres Minenfeld: Patchwork-Familien. Casanovae hätte neue Partner*innen. Doch das Familienrecht macht klar: Neue Beziehungen entbinden nicht von alten Pflichten. Bonusmamas und Bonuspapas sind Ergänzung, kein Ersatz.

Für Kinder hieße das: Sie hätten viele Bezugspersonen – aber die ursprünglichen Eltern blieben verantwortlich. Loyalitätskonflikte sind zu vermeiden. Das Gesetz schützt Kinder vor genau dem, was Casanovae unabsichtlich heraufbeschwören würde: ein Labyrinth aus wechselnden Loyalitäten.


Datenschutz und Drama

Im 18. Jahrhundert schrieb Casanovae freizügig über Abenteuer. Heute wäre das ein DSGVO-Desaster. Kinderdaten, Adressen, Fotos – all das ist zu schützen. Wer intime Details ausplaudert, riskiert nicht nur peinliche Schlagzeilen, sondern juristische Konsequenzen.


Reality-Check: Casanovae heute

– Gesperrt auf allen Dating-Apps wegen „unzuverlässiger Kommunikation“.
– Mehrere Unterhaltstitel beim Amtsgericht.
– Die Hälfte der Zeit in Mediation, die andere bei Übergaben.
– Kinder würden sie/ihn lieben, wenn Struktur da ist – nicht, wenn Geschichten von Affären erzählt werden.


Was wir aus Casanovae lernen können

Die große Pointe: Casanovae ist eine Mahnung. Nicht, weil sie/er liebte, sondern weil Verantwortung ignoriert wurde. Im modernen Familienrecht geht es nicht darum, wer am besten verführt, sondern wer am verlässlichsten handelt. Kinder brauchen keine Heldinnen der Leidenschaft, sondern Heldinnen der Stabilität.


Mini-Checkliste für die moderne Casanovae

☐ Verantwortung anerkennen: Kinder sind keine Nebenrolle.
☐ Unterhalt zuverlässig zahlen, statt Ausreden suchen.
☐ Kommunikation kurz, sachlich, kinderzentriert halten.
☐ Neue Partner*innen respektvoll einführen.
☐ Mediation nutzen, bevor es eskaliert.
☐ Self-Care nicht vergessen – ein erschöpftes Elternteil ist kein stabiles Elternteil.


Fazit

Casanovae im 21. Jahrhundert wäre kein gefeierter Frauenheld, keine umschwärmte Liebesgöttin, sondern ein Fall für das Familiengericht. Abenteuer enden in Aktenordnern, Charmeoffensiven in Mediationen. Das Familienrecht schützt nicht das Ego der Eltern, sondern das Wohl der Kinder.

Und genau darin liegt die Lektion: Wer liebt, muss Verantwortung übernehmen. Wer Kinder hat, muss ihre Stabilität sichern. Casanovae würde daran verzweifeln – oder wachsen.

Denn am Ende zählt nicht, wie viele Herzen man erobert, sondern wie viele Kinder sich sicher fühlen.

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