ICD 11 bei Eltern-Kind-Entfremdung

Wenn ein Elternteil von Eltern-Kind-Entfremdung betroffen ist, kann das zu psychischen Belastungen führen – z. B. Depression, Angststörung, Anpassungsstörung oder posttraumatische Reaktionen. In der ICD-11 gibt es keine eigene Diagnose für den entfremdeten Elternteil. Aber es können folgende relevante ICD-11-Diagnosen zutreffen, je nach psychischer Reaktion:


Mögliche ICD-11-Diagnosen beim betroffenen Elternteil:

1. Anpassungsstörung (6B43)

Wenn die Entfremdung eine schwere Belastung ist, aber keine voll ausgeprägte Depression oder Angststörung vorliegt.

  • ICD-11 Code: 6B43
  • Bezeichnung: Adjustment disorder
  • Kriterien: Emotionale oder Verhaltenssymptome nach belastendem Lebensereignis, z. B. Trennung, Verlust des Kontakts zum Kind.

2. Depressive Episode (6A70)

Wenn der Elternteil unter einer klinisch relevanten Depression leidet.

  • ICD-11 Code: 6A70 (leicht), 6A71 (mittel), 6A72 (schwer)
  • Bezeichnung: Single episode depressive disorder
  • Kriterien: Anhaltende Traurigkeit, Interessenverlust, Schuldgefühle, Schlafstörungen, etc.

3. Angststörung (6B00 ff.)

Wenn ständige Sorge, Angst oder Panik im Vordergrund stehen.

  • ICD-11 Codes: z. B.
  • 6B00Generalized anxiety disorder
  • 6B01Panic disorder

4. Komplexe posttraumatische Belastungsstörung (6B41)

Wenn langanhaltender psychischer Stress durch wiederholte emotionale Zurückweisung oder juristische Traumata ausgelöst wird.

  • ICD-11 Code: 6B41
  • Bezeichnung: Complex PTSD
  • Kriterien: Wie bei PTSD, zusätzlich Störungen in Selbstbild und zwischenmenschlichen Beziehungen.

5. Eltern-Kind-Beziehungsstörung (QE52.0)

Auch wenn der Code primär auf das Kind bezogen ist, kann er indirekt in Kontexten verwendet werden, in denen die Beziehung objektiv gestört ist.

  • ICD-11 Code: QE52.0
  • Bezeichnung: Caregiver-child relationship problem
  • Hinweis: Kein primärer Diagnosecode für das psychische Befinden des Elternteils, aber relevant als Kontext.

🧭 Wie wird das in der Praxis kodiert?

In der Regel erfolgt die Diagnose nach klinischer Einschätzung durch einen Psychotherapeuten oder Arzt. Dabei wird nicht die Entfremdung selbst kodiert, sondern deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit des Elternteils.


❗ Wichtig:

  • „Eltern-Kind-Entfremdung“ selbst ist kein medizinischer Begriff für eine Störung beim Elternteil.
  • Stattdessen wird der individuelle Leidenszustand des Elternteils mit einer der obigen Diagnosen beschrieben.
  • Rechtlich/juristisch ist es wichtig, dass Diagnosen medizinisch sauber gestellt sind – nicht „PA“ als Etikett, sondern z. B. „Anpassungsstörung nach Trennung vom Kind“.

📑 Beispiel: Kodierung in einer psychotherapeutischen Praxis

Hauptdiagnose: 6B43 – Anpassungsstörung
Zusätzliche Kontextinformation: Belastung durch anhaltenden Kontaktverlust zum Kind im Rahmen eines familiengerichtlichen Verfahrens.
Sekundärcode (optional): QE52.0 – Caregiver-child relationship problem

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