Es gibt Menschen, die helfen.
Und es gibt Menschen, die helfen – solange niemand hinschaut.
Denn sobald das Mandat unterschrieben, die Vollmacht erteilt und die Abhängigkeit groß genug geworden ist, wird aus der angeblichen Freundschaft plötzlich ein Stundensatz.
75 Euro. Pro Stunde.
Nicht für einen Fachanwalt.
Nicht für einen Steuerberater.
Nicht für einen gerichtlich bestellten Betreuer.
Nein.
Für jemanden, der zuvor den Eindruck vermittelte, aus Mitgefühl zu handeln.
Was für ein bemerkenswerter Wandel.
Erst heißt es:
„Mach dir keine Sorgen, ich kümmere mich um alles.“
Dann:
„Übrigens… meine Zeit kostet jetzt 75 Euro die Stunde.“
Ironischer könnte ein Geschäftsmodell kaum beginnen.
Besonders dann, wenn der Betroffene finanziell ohnehin mit dem Rücken zur Wand steht.
Wer kein Geld hat, braucht Hilfe.
Wer Hilfe braucht, wird abhängig.
Und wer abhängig ist, zahlt irgendwann jeden Preis.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob 75 Euro pro Stunde angemessen sind.
Die Frage lautet:
Ab welchem Zeitpunkt hört Freundschaft auf und beginnt ein wirtschaftliches Eigeninteresse?
Denn Vertrauen ist unbezahlbar.
Es wird aber problematisch, wenn genau dieses Vertrauen zur Grundlage einer späteren Rechnung wird.
Juristisch mag vieles zulässig erscheinen.
Moralisch wirkt es jedoch wie ein schlechter Witz.
Der Mann, der angeblich nur helfen wollte, entdeckt plötzlich den Unternehmer in sich.
Die Stoppuhr läuft.
Jedes Telefonat.
Jede E-Mail.
Jeder Rat.
Tick… Tick… Tick…
75 Euro.
Vielleicht ist genau das die größte Ironie der Geschichte.
Nicht Angelo wurde reich.
Sondern möglicherweise derjenige, der ihm versprach, ihn reich zu machen.
Und irgendwo sitzt Angelo vermutlich immer noch mit der Hoffnung, dass die nächste Stunde endlich die entscheidende wird.
Für 75 Euro.